Verfasst von: Wolfgang | 7. Oktober 2009

Abschied

  • punta_salina
  • Punta de Salina
  • Es ist windstill. Gut so, denn ich bin alleine und das Ablegen ist einfach: Achterleinen einholen, Muring ins Wasser schmeissen und abtauchen lassen. Dann noch schnell längsseits an die Mole zum Volltanken. Routine. Selbst bei ungünstigen Verhältnissen beherrsche ich Aura auf See und bei Hafenmanövern ohne Probleme. Wir sind ein Team, Aura und ich… . Ich verlasse den Hafen von Can Pastilla, lasse Aura sich selbst steuern, während ich die Leinen aufschiesse, das Dingi auf dem Vordeck verzurre und die Fender einhole. Routine. Danach lasse ich Paxos aus der Vorschiffskabine, wo ich sie zuvor eingesperrt habe, damit sie nicht an der Tankmole nochmals auf Tour im Hafen geht und mich wie einen Blöden am Schiff stehen läßt. Auch das wäre Routine gewesen. Paxos hüpft aus dem Niedergang in die Plicht, macht ihren Rundumblick und geht dann auf ihren Platz ins Körbchen unter der Brücke am Niedergang. Routine. se_vendeeGenau auf den heutigen Tag ist sie seit 4 Jahren an Bord der Segelyacht Aura. Was für ein Zuhause für eine Katze, so ein Segelboot. Was für ein Zuhause, so ein Segelboot, für Ilonka, Wolfgang und Paxos. Ich setze Aura auf Kurs Cabo Blanco, um dann später an der Südküste von Mallorca Richtung Osten zu fahren, dann rund um Punta da Salina, um weiter Kurs Nordost bis zum Porto Colom zu segeln. Dann nehme ich mir ein altes Logbuch zur Hand und schaue nach, wo wir um diese Zeit vor einem, zwei, drei, vier Jahren waren. Jammerschade, daß Ilonka nicht an Bord sein kann. Sie muss arbeiten. Es ist meine letzte Fahrt auf Aura. In Porto Colom wird das Boot aus dem Wasser kommen, um dann bis auf Weiteres auf einem Stellplatz zu stehen – dort wartend: auf einen neuen Besitzer, wieder ins Wasser zu kommen… ; wer weiß wann? Erinnerungen sausen mir durch den Kopf. Ich sehe mich mit Ilonka auf unserer Jungfernfahrt mit Aura, auslaufend aus dem Porto San Vito in Grado, wo das Boot seinen Refit bekommen hat. Dann Venedig, Pula, die dalmatische Küste, Lefkas, Ios, Marmaris und und und. Die Bilder reißen ab, mir wird es wehmutig, die Rührung treibt mir Tränen in die Augen und für ein paar Minuten kann ich mich nicht halten – ich heule einen Sturzbach. Dann ist ´s wieder gut. Denn ein Glück – José, der Mann einer Kollegin von Ilonka hat über „Connections“ einen Landliegplatz für Aura ausfindig machen können, den wir uns leisten können. Für € 300,- wird das Schiff gekrant und dann per Tieflader dorthin gebracht.

    Aura geht an Land - für wie lange wohl?

    Aura geht an Land - für wie lange wohl?

    Sie wird in der Nähe von Porto Colom für monatliche € 150,- auf einem bewachten Platz stehen. Das ist genial, bei unserer mageren Bordkasse und wir können ruhig schlafen, ohne die Sorge, daß irgendein Idiot das Boot im Hafen demoliert oder die bald eintretenden Winterstürme ihr zu schaffen machen. Es ist kaum Wind und ich genieße die letzten 55 Meilen auf Aura. Am Wind wird mit Hilfe des Motors die Genua noch so angeströmt, daß sie mit dichtgeholten Schoten gerade noch gut steht. Mit 6 Knoten Fahrt zieht Backbord Seite die Küste Mallorcas an mir vorbei, auf Steuerbord die offene See, von der ich mir heute ein letztes Mal den Besuch von Delphinen wünsche. Freilich bleiben die aus – mit Recht, schliesslich verlasse ich die See und werde nunmehr wieder eine Landratte. Für eine solche sind Delphine keine Wegbegleiter mehr, denke ich mir. Noch bei Tageslicht erreiche ich den Hafen von Porto Colom und parke das Boot an den Schwimmsteg des komunalen Hafenteils. Auch hier kein Wind, also easy: Festmacher über die Poller geworfen, Muring mit dem Bootshaken geschnappt und sogleich römisch-katholisch fest, direkt vor dem Büro des Hafenmeisters. So steht ´s im Logbuch – der letzte Eintrag! Ich zische mein letztes Anlegerbierchen, gehe duschen und drehe eine Hafenrunde mit Paxos – auch das war Routine.

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    Responses

    1. „Abschied“ heisst nicht, dass dieses Blog nicht mehr weitergeführt wird. Wenn auch weniger – es wird weitere Posts zu Törns und Segelerlebnisse geben.

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