Verfasst von: Wolfgang | 3. September 2009

Aus(!)tria

Aus meiner Zeit des Segelns an der kroatischen Küste weiß ich, es gibt eine ganze Menge ausgezeichnete Segler(innen) aus dem ehemaligen Habsburger Reich. Waren es doch sie, welche gerade in der Adria eine ausgezeichnete, nautische Infrastruktur hinterlassen haben. Häfen, wie Pula und eine Vielzahl von Leuchtfeuern dort sind das Werk der heutigen „Österreicher“. Manch´ Chartercrew, die ich in diesen Gewässern kennenlernte lebt auch heute noch seemännische Tradition und beispielhaft das, was immer noch als gute Seemannschaft gilt: Mannschaftsgeist, die notwendige Disziplin, um den Bordalltag auf kleinstem Raum erträglich zu machen, Ordnung und Umsicht. Ja, zumeist waren es ältere Herrschaften, die da im Hafen einlaufend vorbildlich Leinen und Fender zum Anlegen bereithielten und nach dem Manöver den verdienten und dem entsprechend genannten Schluck zu sich nahmen. Ein schöner Tag wieder war das; ein herrlicher Kreuzkurs und dann ging ´s dahin – Raumschots auf einen Bug bis zur Hafeneinfahrt: Prosit! Und jetzt? Ihr sterbt wohl aus, habsburger Seenation mit ach welch guter Tradition! So jedenfalls läßt es mich mein letzter Törn vermuten. Die schrecklichste Crew, die ein Skipper auf seinem Boot erwarten kann, ist das Päärchen, bei dem „er“ „sie“ überredet hat, mal einen Kojencharter-Törn für eine Woche als Urlaubsvariante zu machen. Wenn „Herrchen“ mir schon in seiner E-Mail tapfer avisiert, daß es doch ganz nett wäre, wenn man nach Ankunft am Schiff gleich mal einen Nachttörn von Palma auf Mallorca nach Mahon auf Menorca machen könnte. Und wenn Frauchen dabei vom Typ ist, der sich sorgt, daß ihr Wasser beim Schwimmen in die Ohren kommt, dann ahnt der Skipper schon…: „das kann ja was werden.“ Die Ahnung nach einem elend langweiligen Törn, wo der Skipper vom Schiffsführer zum Kindermädchen mutiert, wird durch den in besagter E-Mail geschriebenen Hinweis über die wohl einigermassen richtige Distanz von Palma nach Mahon, aber der völlig falschen Richtungsangabe verstärkt. Da will also ein Freizeitskipper seinem „Mausi“ mal zeigen, was Hochseesegeln ist. Mein kleiner Einwand, daß man doch vielleicht erstmal abwarten solle, wie sich das „Mausi“ so auf dem Meer fühlt und daher den ersten Schlag nicht ganz so ehrgeizig planen sollte, wurde vorerst mit der guten mentalen Vorbereitung, welche über Wochen mit der Einnahme von Vitamin C begleitet wurde, entkräftet. Ok, ok, ihr werdet es schon wissen: Du und Dein Mausi. Aus den 100 Meilen Mahon sind es dann immer fast 15 Meilen geworden, Das Vitamin C hat nichts gebracht und Mausi hat die Bude vollgekotzt. Armes Mausi. Es wurden in der ganzen Woche kaum 45 Meilen und immerhin davon knapp 15 Meilen unter Segeln… . Daß das Mausi weder Sonne auf der Haut, noch Wind an den Ohren verträgt, dafür kann es nichts. Daß ihr Partner mit seinen angeblichen 2000 Seemeilen auf dem Salzbuckel Westen und Osten verwechselt ist auch nicht ihre Schuld. Vielleicht konnte sie auch nicht wissen, daß das Meer nicht wie der elterliche Swimmingpool ist, sondern hier und da mal eine Welle das Boot in Bewegung bringt. Doch „er“ hätte es wissen sollen, hat „er“ doch schon bei Winden von Beaufort 8 und mehr Wellen von 5, 6 Metern hoch am Wind bezwungen. Was war das für eine Vorbereitung, außer dem Vitamin C, welches angeblich der Seekrankheit vorbeugt? Die einzig für mich sofort ersichtliche Vorbereitung der beiden, war das Packen einer überdimensionalen Monster-Roll-Tasche der Marke Marinepool und zweier Rücksäcke, wie man sie vielleicht zur einer bevorstehenden Atlantiküberquerung mit anschließenden 4 Wochen-Urlaub auf der Caribik packt. So war dann Aura in „null-komma-nix“ auch mit mehreren paar Schuhen von ihm und Mausi und allerlei Klamotten komplett belegt. Zur Wende mussten jeweils Handtücher, Kopfbedeckungen, Sonnen- und Apré-Creme von der jeweils freien Schotwinsch auf irgendeinen anderen Platz verräumt werden. Insofern eine Herausforderung, da an Deck rund um Mausi irgendwie kaum noch Platz war. Der Törn ist noch nicht vorbei – vielmehr mache ich mir gerade Luft, jetzt wo ich gerade einen Hotspot in der Nähe habe und die beiden von Bord sind – wie jeden Abend, heute mal, um der stillen See mit Vollmond und jener herrlichen Ruhe eines Ankerplatzes zu entfliehen, wie sie der Segler doch so liebt. Nachdem mein männlicher Co-Skipper nun endgültig entlarvt ist…, er wollte mir heute weiß machen, das Seerecht gleich Kriegsrecht sei, wie sein Binnensee-Lehrer mit weitreichenden Erfahrungen auf  See in aller Welt ihm lehrte…, ja, damit hat sich der Gesprächsstoff nun endgültig auf ein geistiges Vakuum eingestellt. Wozu dann noch bei milder Luft und eben diesem gigantischen Vollmond an Bord bleiben? Eine Scenerie, die sonst so gut ist, für interessante Gespräche oder auch nur einen stillen, gemeinsamen Verweilen einer Crew auf einer Yacht. Nein, schon Stunden vorher brauchte Mausi eine beschattete Sonnenliege am Strand, obwohl die Sonne sich schon neigte. Und Mausi hat immerhin schon fast 3 Tage lang kein Souvenir-Shop betreten. Frau ist schließlich im Urlaub. Nein, natürlich ist dieses Päärchen, welches da mit mir auf Aura ist nicht representant für seine Landsleute. Was kenne ich für super Österreicher! Vielmehr handelt es sich hier um Vertreter von Leuten, die sich weder mit sich, noch mit ihrer Umwelt so richtig auseinander setzen. Sorry, anders kann ich es nicht halten, wenn jemand statt dem Wind, dem Wasser, den Wolken und Sternen, eher seinem Computerspiel auf dem Handy lauscht und auch während des Törns fast immer die Stöpsel des I-Pods auf den Ohren hat. Schaden das! Oh Gott, laß es bald Samstag werden und die beiden von Bord gehen!

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Responses

  1. Ich fall vom Glauben ab – was sind wir doch alle für Anfänger, 8 ist doch herrlich, easy, „das hatten wir auf unserem Schiff täglich!!!“ Da ist das doch hier gaaaaaar nichts!!!
    Liebe Grüsse und lass die Ohren nicht hängen, Dir auch keine grauen Haare wachsen, es geht alles vorbei – und die Nächsten Segelgötter(innen!!!) kommen.


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